Offene Jugendarbeit verliert ihre Autonomie

ÖVP und FPÖ drücken Jugendkonzept ohne Jugendbeteiligung durch

Aus der Stadtvertretungssitzung vom 07.07.2020

Stellungnahme der SPÖ zu  J:FK 20+

 Die Offene Jugendarbeit hat gute Arbeit geleistet. Vize-Bürgermeisterin Petz-Bechter attestiert im Feldkircher Anzeiger im Rahmen einer entgeltlichen Anzeige sogar “vorbildliche Arbeit” und meint, das solle auch so bleiben. Warum aber soll die vorbildlich arbeitende Organisation jetzt ans Gängelband der Stadt genommen werden?

Faktum: Zuerst werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Jugendhaus Graf Hugo in seiner traditionsreichen Form am ursprünglichen Ort aufzulösen und es wird ordentlich viel Geld für ein großes Bauwerk ausgegeben, nämlich fast 10 mal mehr, als die Renovierung des alten Graf Hugo gekostet hätte. Soll dieses (Steuer-) Geld sich jetzt ideologisch rentieren? 


Mit dem vorliegenden Konzept soll die  bisher freie Offene Jugendarbeit der Leitung der Jugendabteilung der Stadt unterstellt werden. Die Kuration des gesamten Jugendkultur Programms soll in der städtischen Jugendabteilung erfolgen, das Programm soll auf “andere junge Zielgruppen” ausgeweitet werden. Es soll vermieden werden, dass die Offene Jugendarbeit eine Parallelgesellschaft bzw. “Parallelstruktur” entwickelt. 

Eine offene Gesellschaft mit unterschiedlichen Lebensentwürfen zuzulassen und zu fördern ist hier offensichtlich nicht die Intention. Was bisher in relativer Freiheit passierte, soll reglementiert werden. 

Der  Begriff “Parallelstruktur” als solcher wird regelmäßg in technischen Zusammenhängen etwa in der Regeltechnik verwendet. Hier ist zu befürchten, dass der Autor des Konzepts, Dr. Hagen, den Bedeutungsinhalt einer Parallelgesellschaft zum Ausdruck bringen wollte. Nämlich die von einer Minderheit gebildete, in einem Land neben der Gesellschaft der Mehrheit existierende Gesellschaft. Dabei handelt es sich regelmäßig um einen politischer Kampfbegriff der Mehrheitsgesellschaft.  

Demgegenüber vertritt die SPÖ Feldkirch die Auffassung, dass es nicht nur eine, homogene (Mehrheits-) Jugend gibt, der eine so bezeichnete “Minderheits Jugend” gegenübersteht. “Die Jugend” ist ein vielfältiges, heterogenes Konglomerat deren Diversität sich auch in den verfügbaren Strukturen wiederfinden muss. Es ist wichtig, dass neben bzw außerhalb der städtischen Weisungshierarchie ein wirklich autonomer Bereich existiert, in dem Jugendliche sich begleitet aber aus eigenem Antrieb ausprobieren und entwickeln können.

Von beweisbaren Vorwürfen, dass die Offene Jugendarbeit ihre Arbeit schlecht machen würde ist nichts bekannt.


Von beweisbaren Vorwürfen, dass Interessierte bei der Offenen Jugendarbeit keine offenen Türen gefunden hätten, ist ebensowenig bekannt.


Bekanntlich aber ist es nicht zweckmäßig, gut funktionierende Systeme zu zerschlagen.


Jugendarbeit kann jedenfalls nicht nach dem Prinzip: “Wer zahlt, schafft an” funktionieren. 

 

 

 

 

 

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