GESCHICHTE

100 Jahre für soziale Gerechtigkeit - Die Geschichte der SPÖ

Die Sozialdemokratische Partei Österreichs ist eine der ältesten Parteien des Landes. Seit über 100 Jahren steht sie für soziale Gerechtigkeit und faire Chancen für alle. Viele Rechte, die uns heute selbstverständlich sind, gehen auf sie zurück. Dabei galt es, gewaltigen Widerständen – vom Verbot der Partei bis zur Verfolgung, Verschleppung und Ermordung ihrer Anhänger – entgegen zu treten.

Von den Anfängen bis zum Ende der Monarchie

Viktor Adler gilt als einer der Gründerväter. Ihm gelingt es 1889 verschiedene Strömungen der sozialdemokratischen Bewegung zu vereinen. Vor allem in den industrialisierten Gebieten sorgen die Sozialdemokraten mit ihren Ideen von sozialer Gerechtigkeit und Rechten für Arbeiter für Aufmerksamkeit und steigende Wählerzahlen: „8-8-8“ lautet das Motto, also: 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Schlaf, 8 Stunden Erholung. Man fordert das allgemeine Wahlrecht und solidarisiert sich in Gewerkschaften. In der Zweiten Sozialistischen Internationalen erklärt man den 1. Mai zum Weltfeiertag der Arbeit.

Die Erste Republik – Schattendorf: Der Justizpalast steht in Flammen

Nach dem Ende der Monarchie und den Schrecken des Ersten Weltkriegs sorgen die Sozialdemokraten als Regierungspartei der Ersten Republik für die Durchsetzung sozialer Anliegen. Der Achtstundentag wird durchgesetzt und 1919 sind erstmals auch Frauen zu den Wahlurnen gebeten.

Doch die Koalition mit den Christlichsozialen hält nicht: die Spannungen zwischen den Großparteien verstärken sich und führen zu Auseinandersetzungen mit Waffengewalt: Im burgenländischen Schattendorf wird eine sozialdemokratische Versammlung von Kaisertreuen beschossen, doch der darauf folgende Prozess bagatellisiert den Mord an den Arbeitern („Schattendorfer Urteil“). Demonstrationen in der Hauptstadt sind die Folge, die von Ordnungskräften brutal niedergeschlagen werden. 85 Demonstranten bezahlen in der sogenannten Julirevolte mit ihrem Leben, Hunderte werden verletzt. Der spätere sozialdemokratische Bundespräsident Theodor Körner versucht die aufgebrachte Menge zu beruhigen – vergeblich: Am 15. Juli 1927 steht der Justizpalast in Flammen.

Austrofaschismus und Bürgerkrieg

Die folgenden Jahre intensivieren die Auseinandersetzung der Kontrahenten. 1933 nutzt Dollfuß eine Geschäftsordnungskrise des Parlaments („Selbstausschaltung des Parlaments“) – mit Waffengewalt verhindert er das Wiederzusammentreten der Parlamentarier und führt Österreich in den Austrofaschismus: Die Sozialdemokratische Partei wird verboten und politische Rechte auf ein Minimum reduziert. De facto herrscht Diktatur: Verfolgung von politischen Gegnern und standesrechtliche Erschießungen stehen an der Tagesordnung. Der sozialdemokratische Widerstand gegen das faschistische Regime führt 1934 zum Österreichischen Bürgerkrieg, der innerhalb weniger Tage 1600 Menschen das Leben kostet.

Nach 1945 – Sozialdemokratische Regierungsverantwortung - Der Weg zu einem modernen Österreich

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur stehen Österreich große Aufgaben bevor. Krieg und Zerstörung haben ihre Spuren hinterlassen, aber wie schon 1918 steht die Sozialdemokratie auch 1945 an der Wiege der Republik. Im völlig ausgebombten Wiener Rathaus gründet Adolf Schärf die SPÖ neu und noch im gleichen Jahr wird Karl Renner zum ersten Bundespräsidenten der Zweiten Republik gewählt.

Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955 erlangt Österreich seine volle Souveränität zurück. Das Anliegen der Sozialdemokratie trägt erneut Früchte: Das Arbeiterurlaubsgesetz wird beschlossen und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz tritt in Kraft. 1960 unterzeichnet Bruno Kreisky als Außenminister den EFTA Vertrag. Unter seiner Führung erlebt Österreich ein neues Zeitalter des Wachstums und des sozialen Wohlstandes. Wichtige Errungenschaften wie die 40 Stundenwoche treten in Kraft. Unter Vranitzky tritt Österreich 1995 der EU bei.

Nachdem die ÖVP 1999 Koalitionsverhandlungen scheitern lässt und unter heftigen nationalen und internationalen Protesten eine Koalition mit Jörg Haiders FPÖ eingeht, befindet sich die SPÖ als stimmenstärkste Partei nach 30 Jahren erstmals wieder in Opposition. Nach Viktor Klima ordnet Alfred Gusenbauer die Partei neu und sorgt kontinuierlich für Zugewinne: Seit Dezember 2000 kann die SPÖ 14 Wahlsiege in Folge für sich verbuchen.

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